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In einem Königreich, so weit weg, dass die Wolken dort aus Zuckerwatte zu sein schienen, lebte eine junge Prinzessin namens Leni. Leni war ein fröhliches Mädchen mit Haaren so gelb wie reifer Weizen und einem Lachen, das wie kleine Silberglöckchen klang. Ihr wertvollster Besitz war eine goldene Kugel, die im Sonnenlicht so hell funkelte, dass man fast blinzeln musste, wenn man sie ansah. Sie war ein Geschenk ihrer Mutter und Leni hütete sie wie ihren Augapfel.
An einem besonders warmen Nachmittag spazierte Leni in den kühlen Schlosspark. Dort gab es einen alten, tiefen Brunnen, dessen Wasser so klar und still war, dass es wie ein Spiegel wirkte. Leni setzte sich an den Rand des Brunnens und begann, ihre goldene Kugel in die Luft zu werfen und sie wieder aufzufangen. Das Spiel machte ihr so große Freude, dass sie für einen Moment unachtsam wurde. Sie warf die Kugel besonders hoch, doch anstatt in ihren Händen zu landen, prallte die Kugel am Brunnenrand ab und verschwand mit einem lauten 'Platsch!' im tiefen, dunklen Wasser.
Leni erschrak zutiefst. Sie beugte sich über den Rand, aber der Brunnen war so tief, dass sie den Boden nicht sehen konnte. Ihre geliebte Kugel war weg! Große Tränen rollten über ihre Wangen und sie begann bitterlich zu weinen. „Ach, wenn ich sie doch nur wiederhätte!“, schluchzte sie. „Ich würde alles geben: meine Kleider, meine Perlen, ja sogar meine goldene Krone!“
Plötzlich hörte sie eine feuchte, quakende Stimme: „Warum weinst du so sehr, Königstochter? Dein Jammern würde sogar einen Stein erweichen.“ Leni sah sich um und entdeckte einen dicken, grünen Frosch, der seinen hässlichen Kopf aus dem Wasser streckte. „Ach, du bist es, alter Wasserpatscher“, sagte sie. „Ich weine um meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen gefallen ist.“
Der Frosch blinzelte sie mit seinen großen Augen an. „Sei still und weine nicht“, antwortete er. „Ich kann dir helfen. Aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielzeug wieder heraufhole?“ Leni dachte kurz nach. „Alles, was du willst, lieber Frosch! Meine Kleider, meine Edelsteine, meine goldene Krone!“ Doch der Frosch schüttelte den Kopf. „Deine Kleider und deine Krone mag ich nicht. Aber wenn du mich liebhaben willst, wenn ich dein Spielkamerad sein darf, an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen und in deinem Bettlein schlafen darf – wenn du mir das versprichst, dann tauche ich hinunter und hole dir die goldene Kugel zurück.“

Leni dachte bei sich: „Was der einfältige Frosch nur schwätzt! Er sitzt im Wasser bei seinesgleichen und quakt, wie soll er eines Menschen Geselle sein?“ Aber weil sie ihre Kugel so gerne zurückhaben wollte, sagte sie laut: „Ja, ich verspreche dir alles, was du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst.“
Kaum hatte sie das Wort ausgesprochen, tauchte der Frosch unter. Nach einer Weile kam er wieder an die Oberfläche, im Maul die goldene Kugel, und warf sie ins Gras. Leni war außer sich vor Freude. Sie packte ihr schönes Spielzeug und rannte davon, ohne sich noch einmal nach dem Frosch umzusehen. „Warte, warte!“, rief der Frosch hinter ihr her. „Nimm mich mit, ich kann nicht so schnell laufen wie du!“ Aber Leni hörte nicht auf ihn. Sie dachte nur an ihre Kugel und vergaß den armen Frosch und ihr Versprechen völlig.
Am nächsten Tag, als die Prinzessin mit dem König und dem ganzen Hofstaat zu Mittag aß, hörte man draußen auf der Marmortreppe etwas heraufkommen: *Plitsch-platsch, plitsch-platsch*. Dann klopfte es an die Tür und eine Stimme rief: „Königstochter, Jüngste, mach mir auf!“ Leni lief zur Tür und schaute hinaus. Als sie den Frosch sah, schlug sie die Tür hastig wieder zu und setzte sich mit klopfendem Herzen zurück an den Tisch.
Der König sah, dass sie Angst hatte. „Mein Kind, was erschreckt dich so? Steht etwa ein Riese vor der Tür?“ „Ach nein“, antwortete Leni, „es ist kein Riese, sondern ein garstiger Frosch. Gestern hat er mir meine goldene Kugel aus dem Brunnen geholt, und weil er es so verlangte, habe ich ihm versprochen, er solle mein Spielkamerad werden. Ich dachte aber niemals, dass er aus seinem Wasser herauskommen könnte. Nun ist er draußen und will herein.“
In diesem Moment klopfte es zum zweiten Mal und der Frosch rief: „Königstochter, Jüngste, mach mir auf! Weißt du nicht mehr, was du gestern am kühlen Brunnenwasser zu mir gesagt hast? Königstochter, Jüngste, mach mir auf!“ Da sagte der König ernst: „Was du versprochen hast, das musst du auch halten. Geh und mach ihm auf.“

Mit zitternden Händen öffnete Leni die Tür. Der Frosch hüpfte herein und folgte ihr bis zu ihrem Stuhl. Dort blieb er sitzen und rief: „Heb mich herauf zu dir!“ Leni zögerte, bis der König es ihr erneut befahl. Als der Frosch erst auf dem Stuhl war, wollte er auf den Tisch, und als er da saß, sagte er: „Nun schieb mir dein goldenes Tellerlein näher, damit wir zusammen essen.“ Das tat sie zwar, aber man sah wohl, dass sie es nicht gerne tat. Der Frosch ließ es sich gut schmecken, aber Leni blieb fast jeder Bissen im Halse stecken.
Schließlich sagte der Frosch: „Ich habe mich satt gegessen und bin müde. Nun trag mich in dein Kämmerlein und mach dein seidenes Bettchen zurecht, damit wir uns schlafen legen.“ Leni fing an zu weinen. Sie fürchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie nicht anzurühren wagte und der nun in ihrem schönen, sauberen Bett schlafen sollte. Aber der König sah sie streng an. „Wer dir geholfen hat, als du in der Not warst, den sollst du hernach nicht verachten. Ein Versprechen ist ein Band, das man nicht einfach zerschneiden darf.“
Da nahm sie den Frosch mit zwei Fingern, trug ihn hinauf und setzte ihn in eine Ecke ihres Zimmers. Doch als sie im Bett lag, kam er angekrochen und sagte: „Ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du: heb mich herauf, oder ich sag's deinem Vater.“ Da wurde Leni erst richtig bewusst, wie wichtig Aufrichtigkeit war. Sie überwand ihren Ekel, nahm den Frosch behutsam in ihre Hände und setzte ihn auf ihr Kissen. „Es tut mir leid, dass ich mein Wort brechen wollte“, flüsterte sie leise.
In dem Augenblick, als sie den Frosch sanft berührte und ihr Versprechen mit dem Herzen annahm, geschah ein Wunder. Der Frosch war kein Frosch mehr, sondern ein schöner Königssohn mit freundlichen Augen. Er erzählte ihr, dass er von einer bösen Hexe verwünscht worden war und niemand ihn hätte erlösen können als sie allein.
Leni hatte gelernt, dass ein gehaltenes Versprechen nicht nur eine Last ist, sondern der Schlüssel zu wahrer Freundschaft und großen Wundern sein kann. Am nächsten Morgen fuhren sie gemeinsam in einer prächtigen Kutsche in sein Reich, wo sie noch viele Jahre lang treue Freunde blieben und niemals vergaßen, dass man zu seinem Wort stehen muss.
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